Date posted: 31. Dezember 2010 By: Pirlipat

So ganz ohne den Blick zurück möchte ich nicht ins neue Jahr gehen.

2010 war für mich ein Jahr der Extreme: Auf der einen Seite Veränderungen von einer Relevanz, wie ich sie noch nie in meinem Leben hatte und auf der anderen Seite Stagnation, mit der ich mich immernoch sehr schwer tue.

Mit Volldampf bin ich ins Jahr 2010 gestartet, habe bis in den Juli hinein mit viel Hingabe, Blut, Schweiß und Tränen an meinem Uniabschluss gearbeitet. Das hat mich und meinen Liebsten viel Geduld und Schokolade gekostet - aber es hat sich gelohnt. Ich bin Magistra Artium und das mit einem Schnitt von 1,3. Ich bin keine Studentin mehr und habe damit den bisher prägendsten, ereignisreichsten und schönsten Abschnitt meines Lebens beendet. Solange es noch nicht so weit war, konnte ich es kaum erwarten - jetzt macht es mich wehmütig, wenn sie im Café sitzen sehe und über Seminare reden höre, wenn ich noch einmal durch den Arkadenhof gehe und rüberschaue auf die Treppe, wo wir immer gesessen haben…

Ich habe endlich mal etwas anderes von der Welt gesehen und neun Tage am Bosporus verbracht, zwischen Europa und Asien, zwischen 12 Millionen Menschen, unter unendlichem Sonnenschein, Lärm, Musik, Düften und lauter kleinen Kulturschocks - Istanbul kommt mir immernoch ganz unwirklich vor. Ich konnte es vor Ort irgendwie nie richtig glauben und im Nachhinein wirkt das alles noch viel mehr wie ein lauter, bunter Traum.

Ich habe mich endlich getraut: I’m inked! Im Andenken an meine Studienzeit, an meine Entwicklung in den letzten Jahren, an meine Heimat, an meine kindliche Phantasie und Kindheit habe ich mir ein Lindenblatt auf Drachenhaut zwischen die Schulterblätter legen lassen. Manchmal vergesse ich, dass es da ist und wenn es mir dann wieder bewusst wird, finde ich mich selbst ziemlich krass. Aber gut krass.

Das Jahr 2010 hat mir eine kleine Zweitfamilie gebracht und das schönste Gefühl von “aufgenommen und willkommen sein”. (Nein, ich bin nicht religiös geworden.) Ich habe ganz viele herzliche Menschen kennengelernt, an denen nichts oberflächlich oder gefaked ist und die etwas mit mir teilen:

Die Wiederentdeckung der Phantasie, Träumerei und Kreativität. Die Stichworte hierfür lauten Larp, Pen&Paper und Tanzen.

Tanzen war und ist eine große Konstante in meinem Leben geworden. Und das ist ausbaufähig! Der Plan, in nunmehr einem Jahr ein Solo zu tanzen steht nach wie vor!

Und dann ist da diese andere Seite.

Die Seite, auf der ich nun endgültig meinen Studijob quittieren musste, die Seite der vergeblichen Bewerbungen, in denen so viel Hoffnung steckte, der Ziellosigkeit und der ARGE. Die Seite, auf der ich mich in eine Arbeit gestürzt hab, die ich gar nicht aushalten konnte. Zum Glück bin ich mittlerweile so gesund, dass ich die Notbremse ziehen konnte - mit der Konsequenz, wieder auf der Straße zu stehen. So schnell, wie ich durch die erste Hälfte des Jahres gerannt bin, so holprig und ziellos war die zweite Hälfte. Dass ich seit einem halben Jahr suche, rumtreibe, nicht auf die Füße komme macht mich zum Ende von 2010 bedrückt und pessimistisch. Ich versuche mir aber zu sagen: Ruh dich aus. Alles gut. Du musst nicht so hetzen. Das kleine Männchen in meinem Kopf mit dem unbändigen Ehrgeiz und der Wolkenkratzermesslatte schreit und zetert und macht mir Tinnitus. Ich versuche, es zu überhören, mal mehr und mal weniger Erfolgreich.

Momentan ist alles im Übergang und ich weiß auch gar nicht (mehr) was ich eigentlich will und kann. Die Aufgabe für 2011 lautet: Rausfinden, was Sache ist. Was kann ich? Was will ich eigentlich? Und wie kann ich damit auch noch überleben? Und was ist überhaupt eine gute Herangehensweise an solche Fragen?

2011 soll also ein Jahr der Antworten werden. Das Jahr für den nächsten großen Schritt, in dem ich es hoffentlich schaffe, mir meine konstanten Kraftquellen aufrecht zu erhalten und sie auszubauen. So wie 2010 ausgeht denke ich: Es kann nur besser werden. Gemischte Gefühle zu Silvester, ganz anders als letztes Jahr. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch euch allen!

Date posted: 2. Dezember 2010 By: Pirlipat

Oh Gott, tanze ich wirklich schon seit 1 1/2 Jahren? Ist seit meiner ersten Show wirklich schon ein ganzes Jahr vergangen?

Ja, Tatsache. *trommelwirbel* Es ist wieder so weit: Die Saray-Connection präsentiert die Happy X-Mas Oriental Show. Unsere Gruppe ist natürlich mit am Start. Wir haben zwar nur einen rund 90 Sekunden Auftritt, aber der hat es in sich… ;-)

Wann: 4.12.2010. Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr

Wo: Harmonie, Bonn Endenich

Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

Ich freue mich wahnsinnig, mit dieser sehr kleinen, aber feinen und bunt gemischten Mädeltruppe auf der Bühne zu stehen, den ganzen Flitter und Glitzer drumherum, das aufgeregte Gewusel in der Gaderobe. Hach.

Kommt doch vorbei und lasst euch einen Abend lang mal mitreißen in (m)eine kleine, orientalische Glitzerwelt. ;-)

Alle Infos zur Saray-Connection und zur Show gibt es natürlich auch hier:

Saray Connection Homepage

Date posted: 21. November 2010 By: Pirlipat

So ihr Lieben,
der Urban Hippie Log wird eingeweiht! Als erstes gibt es ein Stück Reflexion und Gesellschaftskritik mit einem ganz kleinem bisschen persönlichem Frust. ;-)

Seit ein paar Wochen friste ich den größten Teil meines Daseins unter künstlichem Licht, zwischen Unmengen Verpackungsmaterial und geschätzten 63 Ausführungen hässlichster Made-in-China-Weihnachtsengelchen. Wenn ich beim Auspacken neuer, noch hässlicherer Engelchen nicht grade für 2 arbeite, stehe ich mit wechselnden Kolleginnen an der Kasse und kompensiere die Schließung des einzigen anderen Kassenterminals auf der gesamten Etage („Jetzt können wir da viel schöner die Ware zeigen“) und unter meinem Scanner findet sich folglich alles vom Bügeleisen, über Porzellan bis zu den Engelchen.
Aber ich versuche (zumindest manchmal) das ganze positiv zu sehen. Es lassen sich hier Beobachtungen über die Gesellschaft machen, zu denen man sonst nie gekommen wäre, und so sehr es auch nach blödem Spruch klingt, an Lebenserfahrung reife ich seit ein paar Wochen wirklich im Sauseschritt.
Sieht man von der menschenverachtenden Personalpolitik mal ab, versetzen mich vor allem die Kunden immer wieder ins Staunen. An denen lassen sich nämlich zwei scheinbar divergente Verhaltensmuster ablesen.

1. „Funktioniert das auch? Können Sie das bitte mal testen?“
Es ist egal, ob es die Nespresso-Kaffeemaschine, das Markenbügeleisen oder die Lichterkette ist. Scheinbar geht der Konsument von heute davon aus, dass ihm nur Müll verkauft wird. Okay, wäre ich ein dubioser Internethändler mit Sitz in Taiwan, könnte ich diese Bedenken verstehen. Aber wieso halten mir die Menschen ernsthaft originalverpackte und versiegelte Ware anerkannter Marken unter die Nase und bestehen auf einen Vollständigkeits- Funktions- Unversehrtheitscheck? Wohlgemerkt mit der Erwartungshaltung, dass es natürlich *nicht* funktioniert, was sie da kaufen wollen. Manchmal lasse ich mich dazu hinreißen und öffne diese oder jene Verpackung, der Funktionstest wird erfolgreich bestanden mit dem Ergebnis „Ja ich überlegs mir dann nochmal“. Dass dieses Produkt dann niemand mehr kaufen wird, weil es ja schon mal geöffnet wurde, versteht sich von selbst.
Leider habe ich mich bis jetzt noch nicht getraut auf „Funktioniert das denn auch?“ mit „Natürlich nicht“ zu antworten, weil die Fragesteller immer schon so aussehen, als würden sie solchen Humor nur bedingt verstehen und teilen. Ich bin mir aber sicher, noch ein paar Wochen und ich bin so weit.

2. „Ich will das umtauschen“.
Da hatte ich bis jetzt drei Highlights (und das ist nicht erfunden):

  • Hab ich gestern gekauft, gefällt mir doch nicht (Warenwert so ca. 5 Euro)
  • Nach einem Jahr täglicher Anwendung habe ich festgestellt, dass dieser Lockenstab entweder zu kalt oder zu heiß wird, und ich damit nicht zurecht komme (hier diverse Beschimpfungen des Produkts einfügen)
  • Dieser Milchaufschäumer mit Erhitzungsfunktion ist kaputt, ich will mein Geld zurück. Es hat leider ein Jahr gedauert das festzustellen, weil gar nicht ich, sondern meine „Tochter“ in der „Schweiz“ ihn benutzt hat, und „ihr“ ist auch die Milch so darin angebrannt, dass eine unablösbare schwarze Ekelschicht entstanden ist.

Ich bin ja sooo froh, dass ich den großen Run des Geschenkeumtauschens nicht miterleben werde. Denn abgesehen davon, dass ich den Umtausch gar nicht durchführen darf und immer das vielgehasste „Moment, ich gehe jemand holen“ entsteht, ist diese Umtauschmentalität mir wirklich zuwider.
Man kann doch zu seinen Entscheidungen stehen, oder? Wenn man sich selbst etwas kauft, was schon am nächsten Tag nicht mehr gefällt, sollte man sein Kaufverhalten überdenken. Wenn man unpfleglich mit Sachen umgeht, sollte man daraus lernen. Und (to come) wenn man etwas geschenkt bekommt, das nicht gefällt, sollte man sich überlegen, wie es dazu kommen konnte und vielleicht an der Beziehung zu dem Menschen arbeiten, von dem man so falsch eingeschätzt wurde. Oder aber, man akzeptiert einfach, dass vielleicht mal etwas kaputtgegangen ist, oder man sich verkauft hat, oder jemand sich verschenkt hat. Aber das sind alles keine Optionen in der (deutschen?) Gesellschaft. Die Option lautet „grenzenlose Selbstgerechtigkeit“ in der um eigenen Bequemlichkeit und Zufriedenheit willen alles umgetauscht wird, was nicht mehr passt, funktioniert und stört. Das Fällen einer bewussten Entscheidung für oder gegen etwas wird meiner Meinung dadurch verlernt, denn es lässt sich ja alles rückgängig machen… und auf der anderen Seite wird dieses Verhalten ja gefördert, indem all diese Absurditäten anstandslos angenommen werden. Ich empfinde das als sehr ungesund. Ich war nie so ein Umtauschtyp, werde es jetzt wohl auch nie werden…

Date posted: 16. Oktober 2010 By: Pirlipat

Nach dieser ewigen Pause melde ich mich jetzt endlich virtuell zurück! Ich dachte das passt ganz gut, jetzt wo durch das Ende des Studiums viele Kontakte nicht mehr so eng geknüpft sind wie früher.

Ich habe mir ein neues Konzept zurechtgestrickt, einen neuen Namen ausgewählt (der noch nicht in der URL ist - ich arbeite dran) und bringe viele neue Ideen mit, wie ich diese Seite ansprechend gestalten kann. Die Arbeiten laufen noch und vieles sieht noch nicht ganz so aus, wie ich es haben will.


Was wird es hier in Zukunft geben?

Also, ich habe mir eine thematische Ausrichtung des Blogs auf die Schwerpunkte Tanz, Kreativität im weitesten Sinne, Lebensmittelexperimente und Reflexion überlegt. Dabei möchte ich das, was ich selber erfahre und mache mischen mit allgemeinen Infos und Hintergründen. Ich hoffe, es klappt und ich hoffe ihr mögt es. Ab nun tut sich also hier wieder was. Oder wie die Japaner sagen würden: YUSH!

Date posted: 19. April 2010 By: Pirlipat

… ich hatte es noch gar nicht erzählt:

Seit Januar bin ich mit Mitglied in einem Ensemble! Und zwar in diesem hier: Ensemble KusKus. Es gibt Zeugen für den Quiek- und Freudeanfall, den die Aufnahme ausgelöst hat. ;-)

Wir trainieren einmal im Monat und im Moment nutze ich die Nacharbeitung der alten Choreographie um den Sterbenden Cato und andere Schrecklichkeiten zu prokrastinieren. Neben der bestehenden Choero aus klassischen orientalischen und Bollywood-Elementen arbeiten wir grade auch an etwas… Unkonventionellem… wird verraten, wenns fertig ist. :-D

Nachdem ich die letzten Tage im wahrsten Sinne ödipal (ha! Bildungsbürgertum, erwache!) verbracht habe, kann ich übermorgen hoffentlich wieder lostanzen und dann ab dieser Woche auch am ersten Unisportkurs teilnehmen, der mal *nicht* mitten am Tag stattfindet. was die Chancen erheblich steigert, dass ich ihn öfter als 4 oder 5 mal besuchen werde.

Wenn ich so zurückblicke - ich tanze jetzt seit circa 10 Monaten und es macht immernoch so viel Spaß, vielmehr, die Freude daran steigt konstant. Und wenn ich reflektiere, was ich in der Zeit alles gelernt hab, bin ich bei aller Selbstkritik auch ein kleines bisschen stolz auf mich.