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Pirlipat

Ein Aufschrei geht durch die Blogosphäre: Zum ersten Mal wurde ein Blog von der Bundesprüfstelle für jugendgefährende Medien indiziert. Ein Präzedenzfall. Und meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung, ein deutliches Zeichen:

Indiziert wurde ein Pro-Ana Blog.

Händefuchteldes Pro und Contra.

Meine Meinung: Hier von staatlicher Einmischung, Überwachung und Einschränkung der freien Meinungsäußerung zu reden zeugt von vollkommener Unwissenheit gegenüber dem Thema. Der Staat soll meiner Meinung nach in einem gewissen Grad Verantwortung übernehmen für die Gesundheit seiner Einwohner - und auch wenn jetzt natürlich nicht alle Angebote dieser Art aus dem Netz verschwinden hat man auf diesem Weg doch ein Bewusstsein für die Problematik gezeigt und ein klares Statement dazu abgegeben.

This entry was posted on Freitag, Januar 23rd, 2009 at 09:39 and is filed under Das Archiv. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

12 Responses to “Zensur! Überwachung! Oder eher: Na endlich!”

  1. Stefan Says:

    Ganz meine Meinung. Diese reflexhafte, unwissende Ablehnung jeder staatlichen Regelung, die in solchen Fällen eine absolut gerechtfertigte Übernahme der Verantwortung darstellt, geht mir schrecklich auf die Nerven. Ein vernünftiges Nachdenken über die Rechtfertigung und die Grenzen von Indizierung wäre eher angebracht.

  2. johnny Says:

    Soweit ich weiß, gibt es in Deutschland keine Präzendenzfälle.

  3. Pirlipat Says:

    Äh-hem. *hust*. Danke.

  4. Mrs.Bambi Says:

    Ich finds scheiße. Jeder sollte das Recht auf freie Meinungsäußerung behalten dürfen. Ein Warnhinweis für dieses Blog hätte imho genügt.

    Und zum Glück gibt es in Deutschland keine Präzedenzfälle; so nen Scheiß können sich wieder nur die Amerikaner ausgedacht haben.

  5. Pirlipat Says:

    Nazis haben zum Glück auch kein Recht auf freie Meinungsäußerung…
    Es ging um den Tippfehler, der jetzt aus dem Artikel getilgt ist. ;-) Es *könnte* ein Präzedenzfall werden, oder sagen wir: Hier wurde eine Grundsatzentscheidung gefällt. Da war mein juristisches Halbwissen wohl zu gefährlich. Was gemeint war, dürfte aber klar sein, und der Hinweis auf Urteile in ähnlich liegenden Fällen ist ja in Deutschland auch gängig, wenn man z.B. auf der Suche nach Rechtsberatung für den eigenen Fall ist.

  6. Stefan Says:

    Nachdem ich mir mal die Inhalte angesehen habe… mir wird Angst und Bange, wenn der Staat meint, mich oder meine Kinder davor schon beschützen zu müssen.

  7. Pirlipat Says:

    Welche Inhalte hast du dir denn angesehen? “Dich und deine Kinder” ist eine unzutreffende Verallgemeinerung wie ich finde, da ja grade “du” in deiner erwachsenen Reflektiertheit nicht beschützt werden musst - deine pubertierende Tochter vielleicht aber schon. Wie auch im Artikel gesagt, ich glaube nicht an ein komplettes “effektives” Verbot - das ist ja schlicht nicht realisierbar. Was Pro Ana Seiten in extermer Form propagieren, ist in Fernsehn und Presse ja auch mehr oder weniger unterschwellig vorhanden. Trotzdem finde ich es gut, wenn ein Signal gesetzt wird gegen solche Strömungen, eben *weil* sie nicht nur das Netz betreffen.

  8. Germany's Next Topmodel Says:

    Man muss sich schlichtweg nicht mit dem Thema auskennen, um sich zur SACHE äußern zu dürfen. Und die belegt wieder einmal Folgendes:
    Der Staat versucht, mit einem Schnellschuss einer Sache Herr zu werden, die er nicht mehr kontrollieren kann. Von einer Zensur zu sprechen ist hier noch das Mindeste, obwohl die ganze Bewegung ja primär sich selbst verherrlicht und nicht, im Gegensatz zu beispielsweise Nazis, eine Ideologie verbreitet, die letztlich zum Genozid aufruft.
    Was dieses Blog tut oder tat, ist nichts anderes als die Potenzierung täglich hundertfach ins Land gebrüllter Persönlichkeitsreglementierungen und vermeintlicher Vorbilder durch die Medien. Wer zensiert BILD, Privatfernsehen und Modezeitschriften? Solange öffentlich dafür geworben werden kann, mit nichts als zu wenig Gewicht und einem schönen Gesicht auf den Titelblättern zu landen und damit öffentliche Anerkennung zu erhalten, ist das Verbot eines solchen Blogs nur die Verwischung des Umstands, dass junge Menschen von völlig falschen Vorbildern umgeben sind und niemand in dem Maße mit Ihnen darüber spricht, wie es nötig wäre.
    Verbote sind immer nur die Unfähigkeit zur Aufklärung.

  9. Mrs.Bambi Says:

    Der Vergleich mit den Nazis ist an dieser Stelle einfach total unpassend, da die Ideologie der Nazionalsozialisten VERFASSUNGSFEINDLICH und damit gesetzlich verboten ist. Und das auch aus gutem Grund.

    Die Pro-Ana Bewegung, die letztendlich nicht mehr als ein “Lifestyle” ist, kann da schlicht und ergreifend nicht mithalten. Sie ist weder verfassungsfeindlich noch gesetzlich zu verbieten, sie ist im Höchstfall bedenklich.

    Einen Schutz vor solchen Inhalten muss der Staat da nicht leisten; im Gegenteil: Ich möchte selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang meine Kinder sich Internetinhalte - welcher Art auch immer - ansehen dürfen. Und da reichen drei Mausklicks für eine ganz persönlich zugeschnittene, private Zensur in meinem eigenen Netzwerk.

    Ich möchte außerdem aus pädagogischen Gründen meine Kinder darauf aufmerksam machen, warum ich diese Inhalte für gefährlich oder zweifelhaft halte und sie über diese Gefahren hinreichend aufklären. Triggernde Erfahrungen ziehen Jugendliche und junge Erwachsene - wie wir alle wissen - primär aus Print- und Unterhaltungsmedien; da steht ein Blog unter Tausenden im Internet nicht an oberster Stelle.

    Außerdem ist es nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass solche Inhalte tatsächlich dazu führen, dass sich mehr junge Menschen der Pro-Ana-Bewegung anschließen. Die im Übrigen ja auch von einer echten Anorexie deutlich abzugrenzen ist.

    Eine aufdoktrinierte Zensur von oben finde ich persönlich unerwünscht, in diesem Fall erscheint sie mir total willkürlich. Es gäbe andere Stellen, wo der Staat sich massiver einsetzen könnte und müsste. Die eigentlich notwendige Aufklärungsarbeit leistet der Staat an dieser Stelle nicht. Würde ihn vermutlich auch zu viel Geld kosten. Statt dessen versucht er mit der willkürlichen Zensur eines Blogs seine Pflicht zu erfüllen, tatsächlich etwas gegen diese Umstände zu tun. Aber der Versuch geht nach hinten los. Es wirkt meiner Meinung nach nur lächerlich und total willkürlich; wer soll das ernst nehmen? Ein Blog aus der Masse zu zensieren ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Es gibt noch zehntausende andere Seiten mit sehr ähnlichen Inhalten und es werden täglich mehr. Das Ursache-Wirkung-Gefälle an dieser Stelle ist immens hoch.

    Diese Zensur wird keinerlei Folgen haben und den schwierigen Umstand, dass wir wirklich eine von falschen Bildern und Schönheitsvorstellungen geprägte Gesellschaft sind, nicht im geringsten verändern. Und das ist schade, weil genau *das* nämlich der Ansatzpunkt wäre. Aber Probleme an der Wurzel zu packen ist eben nicht die Stärke der meisten Menschen.

  10. Mark Kerring Says:

    Ich frage mich grade in wiefern die Zensur eines schon seit mindestens einem Jahr nicht mehr gepflegten Blogs irgendjemand helfen soll. Probleme verschwinden nicht, indem man sie totschweigt, aber das ist hier ja nicht zu befürchten. Denn zum Glück endet die Macht der Zensurbehörden im Gegensatz zum Internet an den Landesgrenzen, was die Zensur in dieser Form zu einem schlechten Witz macht. Wenn der aktuelle Zensurkurs also fortgeführt werden soll, so geht das nur mittels des Kappens der Auslandsverbindungen und damit dem Verbot internationaler Verbindungen - also dem Ersetzen des Internets durch ein reines Deutschnet. Dann bekommen Mama wie Papa Kinderkost zu essen, denn die Politik interessiert nur für den Weg der Zensur. Es gibt es keinerlei Anstrengungen, ein System zu schaffen, in dem Erwachsene auf Erwachseneninhalte zuzugreifen. Das geplante Zensursystem kennt keine Kinder und Erwachsene sondern nur Zensierte.

  11. Pirlipat Says:

    Ich dachte, ich lasse die Kommentare offen stehen, es soll ja nicht Sinn & Zweck eines diskutablen Beitrags sein, dabei als Autor das letzte Wort zu haben. Meinen Standpunkt hab ich im Artikel vertreten, ihr euren in den Kommentaren und ich hab mich auch sehr über die (für diesen Blog) rege Beteiligung gefreut :-)

    Was ich mich aber doch frage ist, @Mark, was mit “aktueller Zensurkurs” und vor allem “geplantem Zensursystem” gemeint ist? Vielleicht fehlen mir da Informationen aber wie du selbst sagst ist der Entwurf eines “deutschen” Intranets ja sehr abwegig, und das ich *nicht* für die Umsetzung einer Totalzensur von Staatsseite bin möchte ich dann doch nochmals klarstellen.

  12. Wolfgang Says:

    Moin moin, schicker Beitrag auch wenn ich das etwas anders sehe :D

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