Pirlipat

So ganz ohne den Blick zurück möchte ich nicht ins neue Jahr gehen.

2010 war für mich ein Jahr der Extreme: Auf der einen Seite Veränderungen von einer Relevanz, wie ich sie noch nie in meinem Leben hatte und auf der anderen Seite Stagnation, mit der ich mich immernoch sehr schwer tue.

Mit Volldampf bin ich ins Jahr 2010 gestartet, habe bis in den Juli hinein mit viel Hingabe, Blut, Schweiß und Tränen an meinem Uniabschluss gearbeitet. Das hat mich und meinen Liebsten viel Geduld und Schokolade gekostet - aber es hat sich gelohnt. Ich bin Magistra Artium und das mit einem Schnitt von 1,3. Ich bin keine Studentin mehr und habe damit den bisher prägendsten, ereignisreichsten und schönsten Abschnitt meines Lebens beendet. Solange es noch nicht so weit war, konnte ich es kaum erwarten - jetzt macht es mich wehmütig, wenn sie im Café sitzen sehe und über Seminare reden höre, wenn ich noch einmal durch den Arkadenhof gehe und rüberschaue auf die Treppe, wo wir immer gesessen haben…

Ich habe endlich mal etwas anderes von der Welt gesehen und neun Tage am Bosporus verbracht, zwischen Europa und Asien, zwischen 12 Millionen Menschen, unter unendlichem Sonnenschein, Lärm, Musik, Düften und lauter kleinen Kulturschocks - Istanbul kommt mir immernoch ganz unwirklich vor. Ich konnte es vor Ort irgendwie nie richtig glauben und im Nachhinein wirkt das alles noch viel mehr wie ein lauter, bunter Traum.

Ich habe mich endlich getraut: I’m inked! Im Andenken an meine Studienzeit, an meine Entwicklung in den letzten Jahren, an meine Heimat, an meine kindliche Phantasie und Kindheit habe ich mir ein Lindenblatt auf Drachenhaut zwischen die Schulterblätter legen lassen. Manchmal vergesse ich, dass es da ist und wenn es mir dann wieder bewusst wird, finde ich mich selbst ziemlich krass. Aber gut krass.

Das Jahr 2010 hat mir eine kleine Zweitfamilie gebracht und das schönste Gefühl von “aufgenommen und willkommen sein”. (Nein, ich bin nicht religiös geworden.) Ich habe ganz viele herzliche Menschen kennengelernt, an denen nichts oberflächlich oder gefaked ist und die etwas mit mir teilen:

Die Wiederentdeckung der Phantasie, Träumerei und Kreativität. Die Stichworte hierfür lauten Larp, Pen&Paper und Tanzen.

Tanzen war und ist eine große Konstante in meinem Leben geworden. Und das ist ausbaufähig! Der Plan, in nunmehr einem Jahr ein Solo zu tanzen steht nach wie vor!

Und dann ist da diese andere Seite.

Die Seite, auf der ich nun endgültig meinen Studijob quittieren musste, die Seite der vergeblichen Bewerbungen, in denen so viel Hoffnung steckte, der Ziellosigkeit und der ARGE. Die Seite, auf der ich mich in eine Arbeit gestürzt hab, die ich gar nicht aushalten konnte. Zum Glück bin ich mittlerweile so gesund, dass ich die Notbremse ziehen konnte - mit der Konsequenz, wieder auf der Straße zu stehen. So schnell, wie ich durch die erste Hälfte des Jahres gerannt bin, so holprig und ziellos war die zweite Hälfte. Dass ich seit einem halben Jahr suche, rumtreibe, nicht auf die Füße komme macht mich zum Ende von 2010 bedrückt und pessimistisch. Ich versuche mir aber zu sagen: Ruh dich aus. Alles gut. Du musst nicht so hetzen. Das kleine Männchen in meinem Kopf mit dem unbändigen Ehrgeiz und der Wolkenkratzermesslatte schreit und zetert und macht mir Tinnitus. Ich versuche, es zu überhören, mal mehr und mal weniger Erfolgreich.

Momentan ist alles im Übergang und ich weiß auch gar nicht (mehr) was ich eigentlich will und kann. Die Aufgabe für 2011 lautet: Rausfinden, was Sache ist. Was kann ich? Was will ich eigentlich? Und wie kann ich damit auch noch überleben? Und was ist überhaupt eine gute Herangehensweise an solche Fragen?

2011 soll also ein Jahr der Antworten werden. Das Jahr für den nächsten großen Schritt, in dem ich es hoffentlich schaffe, mir meine konstanten Kraftquellen aufrecht zu erhalten und sie auszubauen. So wie 2010 ausgeht denke ich: Es kann nur besser werden. Gemischte Gefühle zu Silvester, ganz anders als letztes Jahr. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch euch allen!

This entry was posted on Freitag, Dezember 31st, 2010 at 14:53 and is filed under To be or not to be. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Responses to “Das war 2010”

  1. Bambi Says:

    Das Bambi wünscht dir alles Liebe und Gute fürs neue Jahr!

  2. caycee Says:

    Es wird Zeit für den Jahresrückblick 2011 ;)

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